Medizynicus Arzt-Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Skiurlaub mit Sarah (Teil 5)

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Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster schaue, macht mein Herz einen Sprung: Lauter weißüberzuckerte Berge sind da, und darüber ein strahlendblauer Winterhimmel.
Draußen ist es knackig kalt. Ich fühle mich ein wenig lächerlich in meinem funkelnagelneuen Skianzug, aber die Leute laufen hier schließlich alle so herum.
Gleich neben der Liftstation ist ein Skiverleih.
Ich weiß nicht, wie lange es her ist, seitdem ich zuletzt solche klobigen Skischuhe an den Füßen hatte!
Wenig später schweben wir im Sessellift nach oben. Rachel macht eine Menge Photos und Tobias bemüht sich, möglichst fotogen in die Linse zu grinsen.
Oben angekommen ist dann zunächst mal gleich ein Gruppenfoto fällig.
“Seid Ihr bereit?” fragt Sarah.
Ich nicke.
“Treffen wir uns unten?”
Und dann ist sie auch schon losgebraust. Es sieht ziemlich elegant aus bei ihr. Andreas folgt ihr dicht auf den Fersen. Tobias ist nicht ganz so schnell und Rachel müht sich wacker ab.
Und ich?
Nun ja… ein wenig wackelig fühlt es sich an. Und es dauert genau eine Minute, da liege ich zum ersten Mal rücklings im Schnee.
Trotzdem schaffe ich es irgendwie nach unten. Die anderen lachen.
“Am besten teilen wir uns auf!” schlägt Andreas vor, “Treffen wir uns in zwei Stunden wieder!”
Er nennt den Namen einer Hütte und zischt dann ab, mit Sarah im Schlepptau.
“Habt Ihr was dagegen, wenn wir die blaue Piste nehmen?” frage ich die beiden anderen. Rachel stimmt dankbar zu.

Geschrieben von medizynicus

8. Februar 2010 um 07:00

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Skiurlaub mit Sarah (Teil 4)

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Um halb sieben fahren wir los.
Zwar haben wir eine Menge Gepäck dabei, aber Andreas’s Karre ist geräumig genug, außerdem sind wir ja nur zu dritt. Neben mir auf der Rückbank stapeln sich trotzdem diverse Skiutensilien.
Trotz Schneegestöber hier und Matschwetter dort kommen wir gut voran.
Problematisch wird es nur, als wir kurz vorm Ziel den örtlichen Bahnhof ansteuern.
Noch zwei Leute plus Gepäck? Dann wird’s aber wirklich kuschelig eng!
Im Schneegestöber vor dem Bahnhofsgebäude stehen zwei Gestalten. Der eine schlacksig mit Brille – so ein Nerd-Typ, eher schmächtig und seine Begleiterin… wow! Eine Frau, die ein jedes Männerherz höher schlagen läßt: Unter der Designer-Wollmütze lugt eine rabenschwarze Lockenpracht hervor, ihre Haut ist latte-macchiato-farben und ihr Lächeln… sie kommt auf uns zu, öffnet die Fahrertür von außen und winkt mit der linken Hand langsam einmal in die Runde.
“Hi!” sagt sie mit ganz leichtem amerikanischem Akzent, “Ich bin Rachel!”
Dann schaut sie jeden von uns der Reihe nach an und eine Sekunde lang treffen ihre Augen auch die Meinen.
“Hi!” sage ich. Zu mehr bin ich nicht in der Lage.
“Steig ein!” sagt Andreas.
Rachel öffnet die hintere Tür und setzt sich zu mir auf die Rückbank.
Wow, denke ich, und nochmal Wow!
Neben mir sitzt ein leibhaftiger Hale-Berry-Klon, welcher für die nächste Woche mit mir ein Chalet teilen wird.
Wenn das nicht ganz großes Kino ist!
Andreas und der Nerd-Typ verstauen derweil das Gepäck, dann quetscht er sich als Dritter auf die Rückbank. Jeder von uns muss für den Rest der Fahrt mindestens ein Gepäckstück auf den Knien balancieren. Trotzdem schafft es Mr. Brillen-Nerd noch, mir über seine Begleiterin hinweg die rechte Hand entgegenzustrecken.
“Hallo, ich bin Tobias!”
Rachel und er kennen sich vom Studium her, erfahre ich dann, aber wie ….ähem…. intensiv genau sie sich kennen, das läßt sich nicht eindeutig eruieren. Ein gewisser Verdacht ist leider nicht ganz von der Hand zu weisen.
Wenig später erreichen wir unser Chalet.
Darunter braucht man sich allerdings leider keineswegs ein romantisches freistehendes Holzhäuschen mitten im Wald vorzustellen, es handelt sich eher um eine ganz normale Ferienwohnung in einem größeren Komplex. Es gibt zwei Schlafzimmer mit jeweils zwei Betten – davon eines mit Doppelbett und eines mit Stockbetten. Außerdem eine gemütliche Wohnküche und alles, was man sonst noch braucht. Die Sitzgarnitur im Wohnzimmer läßt sich leicht in ein weiteres Bett verwandeln.
“Wer schläft denn wo?” frage ich vorsichtig.
Sarah steuert zielsicher das Kinderzimmer mit den Stockbetten an. Rachel folgt ihr. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Tobias’s Rucksack liegt schon im Doppelbettzimmer.
“Ich nehme das Wohnzimmer-Sofa!” sage ich.
“Wenn es Dir nichts ausmacht…” meint Andreas.
Macht es mir nicht. Wirklich nicht, ich bin doch nicht schwul.

Geschrieben von medizynicus

7. Februar 2010 um 08:42

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Skiurlaub mit Sarah (Teil 3)

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Nein, ich bin doch kein Weichei!
Ich stelle mich der Herausforderung, komme was da wolle, notfalls werde ich meinen Frust mit Glühwein und Bier beim Aprés Ski hinunterspülen.
“Ich bin dabei!”
“Prima.”
Sarah scheint sich wirklich zu freuen. Das ist ein gutes Zeichen.
“Allerdings habe ich keinerlei Skiausrüstung…”
“Macht doch nichts. Ski und Skischuhe kann man leihen. Das einzige, was Du brauchst, ist ein Skianzug…”
“Äh… Kostenpunkt…?”
“Gibt’s momentan gerade beim Discounter im Angebot!”
Donnerwetter, die Frau weiß wohl alles!
“Und sonst?”
“Warme Socken? Handschuhe? Alles Andere kannst du auch vor Ort besorgen!”
“Wann geht’s los?”
“Samstag Morgen. Andreas wollte mich um sechs Uhr abholen. Tobias und seine Bekannte werden mit dem Zug anreisen, die holen wir dann abends am Bahnhof ab.”
Hmm. Hmmm. Klingt alles sehr spannend.
Also dackele ich nach Feierabend dann gleich mal beim Discounter vorbei und erwerbe für neunundfünfzig Euro neunundneunzig einen Herren-Skianzug in Größe… ähem, also in passender Größe. Schickes No-Name-Label und megaschickes Design in den schrecklichsten Farben die man sich denken kann.
Und dann gehe ich heim, packe meinen Koffer und stelle den Wecker auf fünf Uhr früh.
Pünkltlich um fünf vor sechs klingele ich am Samstagmorgen bei Sarah.
Die sitzt gutgelaunt am Frühstückstisch und ihr gegenüber sitzt ein männliches Wesen, welches mir schon rein grundsätzlich aus Prinzip unsympathisch ist.
“Hallo, ich bin Andreas!” sagt er mit einem Zahnpastalächeln im Gesicht und streckt mir seine Pranke entgegen.
Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Könnte es sein, dass dieser Kerl sich schon seit gestern Abend in dieser Wohnung aufhält? Was ist seither passiert? Was wird diese Woche noch alles passieren?
“Setz Dich!” sagt Sarah, “magste noch nen Kaffee, bevor es losgeht?”

Geschrieben von medizynicus

6. Februar 2010 um 08:00

Skiurlaub mit Sarah (Teil 2)

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O Mann, was bin ich doch für ein Hornochse!
Noch in der Tür drehe ich mich um.
“Ähem… Du meinst das wirklich ernst?”
Sarah strahlt mich an, so wie sie eigentlich meistens strahlt.
“Glaubst Du, ich würde Dich verarschen?”
“Ähem… also so richtig gut Skifahren kann ich aber nicht…”
“Darauf kommt’s doch nicht an. Notfalls kannst Du ja auch nen Kurs machen. Also, hast Du Lust, oder nicht?”
Ob ich Lust habe? Auf einen gemeinsamen Urlaub mit Sarah? Ist der Papst katholisch?
“Also Lust schon, aber…”
“Aber?”
“Was kostet der Spaß denn?”
“Halb so wild. Das Chalet gehört Bekannten von Andreas. Genauer gesagt Bekannten von einem Onkel von Andreas, und deswegen ist es unschlagbar günstig. Außerdem liegt es direkt an der Skipiste, fünf Minuten vom Lift…”
Moment mal… mir ist, als hätte ich gerade an eine Starkstromleitung gepackt.
“Wer ist denn Andreas?”
“Mein Ex-Freund.”
Autsch! Das waren mindestens zehntausend Volt.
“Und wer fährt sonst noch mit?”
“Tobias ist der beste Kumpel von Andreas. Und er bringt noch jemanden mit, eine Bekannte von ihm. Aber die kenne ich nicht.”
Kurze Rechnung: Zwei Mädels und zwei Jungs. Zwei potentielle Pärchen, von denen eines sogar mal eins war.
Dünnes Eis, denke ich mir, verdammt dünnes Eis!
Ich glaube, ich sollte besser doch die Finger von der Sache lassen…. Noch ist es nicht zu spät, noch kann ich mir eine Ausrede ausdenken!

Geschrieben von medizynicus

5. Februar 2010 um 08:00

Skiurlaub mit… ?

mit 12 Kommentaren

Ich bin genervt.
Sarah hingegen strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
“…einmal werden wir noch wach!” singt sie und setzt ihr allersüßestes Lächeln auf.
Ich blicke von der Krankenakte Müller, Hans-Georg auf und lege das Diktiergerät zur Seite.
“Okay, und was ist dann?”
Sarah deutet an den großen Wandkalender, wo wir alle unsere Urlaubswünsche eingetragen haben.
“Schau mal da! Morgen nachmittag, spätestens um siebzehn Uhr werde ich meinen Kittel in den Schrank hängen. Und dann habe ich Urlaub. Eine ganze Woche lang!”
“Gratuliere. Ich auch.”
Sarah starrt mich mit großen Augen an.
“Ach!”
“Vergiss es!” sage ich.
Sarahs gute Laune ist nur schwer zu ertragen. Jedenfalls habe ich keine Lust, ihr die Geschichte von dem gestrigen Telefongespräch mit der Verwaltung auf die Nase zu binden. Abgesehen davon habe ich immer noch keine Ahnung, wie und wo ich die nächste Woche verbringen werde. Bei Minusgraden und leise rieselndem Schnee mag Bad Dingenskirchen für Touristen vielleicht nett und romantisch aussehen, aber wenn man dort wohnt, ist es vor allem Eines: nämlich kalt. Verdammt kalt. Und ungemütlich. Und um lastminutemäßig irgendwohin wegzufliegen fehlt mir momentan die Kohle. Vor allem aber die Zeit und die Lust zum stundenlangen Reiseseitensurfen um irgendwelche megatollen Schnäppchen ausfindig zu machen.
Auch Lastminutebuchen will schließlich organisiert sein.
“Also, ich weiß, was ich mache!” sagt Sarah.
“Erzähl!”
Nicht, dass es mich auch nur die Bohne interessieren würde.
“Ich werde Skifahren. Eine ganze Woche lang. Wir haben ein Chalet gemietet, mit ein paar Freunden…”
“Klingt romantisch!”
Was man von dem Tonfall meiner Antwort nicht gerade behaupten kann.
Ich nehme das Diktiergerät wieder in die Hand und tu so, als könne ich mich wieder auf Müller Hans-Georg konzentrieren. Kann ich natürlich nicht, also stehe ich auf und hole mir nebenan im Schwesternzimmer einen Kaffee ohne Sarah zu fragen, ob sie auch einen möchte.
Als ich zurückkomme, steht Sarah wie versteinert vor dem Wandkalender.
“Du hast Dir ja wirklich für nächste Woche Urlaub eingetragen!”
“Sag ich doch!”
“Weiß ich ja gar nichts von.”
“Hat mir die Verwaltung auch gestern erst geschenkt.”
“Und was machst Du?”
Kleine Kolleginnen auffressen, will ich sagen, tu ich aber natürlich nicht. Stattdessen sage ich gar nichts, setze mich an den Schreibtisch und tu so, als wolle ich mit dem Diktat wieder anfangen.
“Hast Du Lust, mitzukommen?”
Fast wäre mir meine Kaffeetasse aus der Hand gefallen.
“Ich?”
Sarah lacht.
“Kannst Du Skifahren?”
Können ist übertrieben. Okay, ich habe mal auf so Dingern gestanden, aber das ist schon ziemlich lange her. Ob ich jetzt noch auf Brettern einen Hang runter rutschen könnte ohne mir sämtliche Knochen zu brechen, wage ich zu bezweifeln. Und abgesehen davon besitze ich keinerlei Skiausrüstung und erst recht nicht die Kohle um mir das Zeug jetzt alles zuzulegen.
“Vergiss es!” sage ich und gehe hinunter in die Notaufnahme.

Geschrieben von medizynicus

4. Februar 2010 um 12:00

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Er hat gar nicht gebohrt!

mit 2 Kommentaren

Ich bin zu früh in der Besprechung. Aber der Chef ist schon da, sonst noch niemand. Okay, dann bringen wir es also hinter uns!
Ich wünsche ihm einen guten Morgen, räuspere mich und…
“Sie haben ja nächste Woche frei! Erholen Sie sich mal gut!”
Es klingt sogar ehrlich. Gar nicht böse oder zynisch.
“…aber woher wissen Sie denn?”
“Hat mir die Verwaltung gleich gesagt. Machen Sie sich mal keine Sorgen!”
“Aber…”
“Die anderen Kollegen werden ihre Überstunden auch abfeiern. Ich weiß zwar noch nicht, wie, aber lassen Sie das mal mein Problem sein!”
Ich glaube, unser Chef ist schon schwer in Ordnung!

Geschrieben von medizynicus

4. Februar 2010 um 10:30

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Wie sag ich’s ihm nur?

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Mit schlechtem Gewissen sitze ich im Schwesternzimmer, wo ich mir wie üblich nen Kaffee geholt habe. Ich nehme einen Schluck und verbrenne mir die Zunge. Außerdem habe ich Magenschmerzen. Die habe ich schon seit dem Aufstehen, wegen des schlechten Gewissens, aber ich wiederhole mich.
Gleich beginnt die Frühbesprechung.
Und da werde ich es ihm sagen müssen: dass ich ganz kurzfristig, von heute auf Morgen Urlaub genommen habe ohne ihn gefragt zu haben.
Sowas geht doch nicht! Wie soll dieser Laden in der nächsten Woche laufen, wenn zwei Ärzte fehlen?
Soll ich ihm anbieten, doch freiwillig zum Dienst zu erscheinen?
Ich lasse den Kaffee stehen, greife nach meinem Kittel und gehe hinunter. Ich fühle mich ein wenig wie auf dem Weg zum Zahnarzt.

Geschrieben von medizynicus

4. Februar 2010 um 06:50

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Der Enthüller geht um!

mit 8 Kommentaren

Er heißt Daten Ede und arbeitet für die Vokalanästhesistin. Den Geldgeier Hat’s schon erwischt.
Und Medizynicus ist auch bald dran, wurde mir angedroht. Na, da bin ich gespannt! Aber vorher soll erst noch Cheffe Monsterdoc zur Strecke gebracht werden. Hab ich also noch Gnadenfrist. Warten wir’s ab!
So, und wer meint, das alles wäre nur Spaß:
Wer das berüchtigte Xing-Netzwerk benutzt, ist wirklich schon so gut wie enttarnt. Also Finger weg! Aber auch die Nicht-Xinger sollten sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen.

Geschrieben von medizynicus

3. Februar 2010 um 16:02

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Die Verwaltung an der Strippe

mit 10 Kommentaren

Die Verwaltung ist am Telefon.
Irgendwie habe ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn die dran sind. Also, was wollen sie von mir? Fehlt die Steuerkarte?
Müssen sie mir bedauernswerterweise mitteilen, dass ich eine Gehaltskürzung in Kauf nehmen muss oder gleich die Kündigung?
“Es geht um Ihre Überstunden!” sagt Frau Schuster.
“Ja?”
“Sie hatten einen Antrag auf Auszahlung gestellt…”
Nee, den Antrag hat der Chef gestellt. Jedenfalls hat der sich drum kümmern wollen, dass wir unser Geld kriegen.
Aber ist ja auch egal. Hauptsache, die Sache geht durch!
“Ja?”
“Leider können wir Ihrem Antrag nicht stattgeben!”
“Warum nicht?”
“Die angespannte finanzielle Lage unseres Hauses läßt es momentan nicht zu. Außerdem steht in Ihrem Arbeitsvertrag…”
“Das weiß ich, Frau Schuster. Aber unser Chef hat Ihnen doch mitgeteilt, dass der Freizeitausgleich bei unserer dünnen Personaldecke organisatorisch nicht durchzuführen ist?”
Am anderen Ende der Leitung bleibt es still.
Dann ein Räuspern.
“Sie bestehen also darauf, den Freizeitausgleich in Anspruch zu nehmen?”
“Aber ja… ich meine… es steht mir doch wohl zu, oder?”
“Nun, einige Ihrer Kollegen haben mit Rücksicht auf das Wohlergehen der Patienten verzichtet…”
“Entschuldigen Sie, aber die Patienten brauchen wache, ausgeschlafene Ärzte!”
Erneutes Räuspern.
“Wann möchten Sie denn Ihren Freizeitausgleich nehmen?”
Ist die Frage ernst gemeint?
Jetzt bin ich eine Sekunde lang baff.
“Ähem… wann… wann würde es denn gehen?”
“Am besten, Sie bauen Ihre Überstunden so schnell wie möglich ab. Nächste Woche?”
“Nächste Woche… da ist aber schon eine Kollegin in Urlaub!”
“Das macht nichts. Dann sage ich Ihrem Chef, dass die Abteilung die Woche lang ohne Sie beide auskommen muss. Also nächste Woche. Ich trage das dann ein!”
“Ähem… aber das geht wirklich nicht…”
“Machen Sie sich keine Sorgen! Wenn wir das so bestimmen, dann geht das klar. Also, einen schönen Urlaub wünsche ich Ihnen!”
Tja.
Und jetzt habe ich also nächste Woche frei und keine Ahnung, was man mit der freien Zeit anfangen könnte….

Geschrieben von medizynicus

3. Februar 2010 um 07:49

Geld zurück für wirkungslose Pillen?

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…das möchte der bayerische Gesundheitsminister Söder, so berichtet das Deutsche Ärzteblatt.
Hört sich simpel an und kann man den Wählern prima verkaufen: Wenn ein Pharmakonzern Mittelchen verkauft, die nichts nutzen, dann muss die Kohle zurückgezahlt werden.
So kann man prima Kosten sparen und treffen tut es die Richtigen, nämlich die bösen Konzerne und Multis.
Faktisch ist das Ganze aber wohl kaum mehr als heiße Luft: Wer soll denn entscheiden, ob ein Mittel wirkungslos ist oder nicht? Okay, da gibt es seriöse und unabhängige Institutionen wie das Institut mit dem lustigen Namen IQWiG. Dessen Chef ist übrigens gerade gefeuert worden, weil er der Pharmaindustrie gegenüber zu kritisch war, soviel nur zum Thema Unabhängigkeit. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich sehe schon die Leute bei uns in der Ambulanz Schlange stehen: “Herr Doktor, ich will mein Geld zurück!”
Und falls das geschehen sollte, werde ich nicht zögern, ihnen die private Handy-Nummer des Herrn Minister zu geben, wenn ich die hätte.

Geschrieben von medizynicus

2. Februar 2010 um 15:24